titan

Wenn der Verlust eines Zahnes mittels eines Implantats kompensiert wird, kommt in der Regel Titan als Material zum Einsatz. Titan hat sich über die Jahre bewährt, auch wenn Implantate aus Keramik immer mehr den Markt erobern. Eine Studie aus Israel hat jetzt scheinbar einen weiteren Grund gegen Titanimplantate gefunden: Sie stehen im Verdacht, Periimplantitis zu begünstigen.

Eine erfolgreiche Implantation ist vor allem auch davon abhängig, wie gut das Implantat mit dem Kieferknochen verwächst. Um die Osseointegration zu beschleunigen, wird deshalb oft die Oberfläche des Titanimplantats mittels Sandbestrahlung oder Säureätzung aufgeraut. Da die Entzündung des umliegenden Gewebes ein bekanntes Risiko ist, dass Implantate wieder entfernt werden müssen, sollte der Bakterien enthaltende Biofilm regelmäßig im Rahmen des Periimplantitis-Managements entfernt werden. Dies geschieht meist mittels Ultraschall Scaling. Dabei werden winzige Titanpartikel von der Implantatoberfläche gelöst. Diese stehen im Verdacht, Entzündungen zu begünstigen. In einer Studie wurde jetzt untersucht, inwieweit dies zutrifft.

Für ihre Untersuchungen ermittelten die Forscher die Freisetzung von Titanpartikeln nach der Ultraschallreinigung von Titanscheiben unterschiedlicher Rauheit und setzten kultivierte Makrophagen, die sie aus primärem Knochenmark gewonnen hatten, für 24 Stunden diesen freigesetzten Partikeln aus. Damit simulierten sie den Prozess einer Ultraschall-Skalierung, wie er in der Zahnarztpraxis an Titanimplantaten mit maschinell bearbeiteten, sandgestrahlten oder säuregeätzten Oberflächen durchgeführt wird.

Dabei fanden sie heraus, dass sich die Titanpartikel hinsichtlich Anzahl, Nanorauheit und chemischem Profil, nicht aber in der durchschnittlichen Größe, abhängig vom Oberflächentyp der Titanscheibe unterschieden. Die sandgestrahlten Scheiben erzeugten dabei die höchste Anzahl an Partikeln, während die maschinell bearbeiteten Scheiben die niedrigste Anzahl freisetzten.

Außerdem konnte das Forscherteam feststellen, dass die Schwere der Periimplantitis exponentiell mit der Menge der freigesetzten Titanpartikel ansteigt. Die Partikel der sandgestrahlten Oberflächen riefen dabei heftigere Entzündungsreaktionen hervor als die der maschinell bearbeiteten.

Die israelische Studie hat bisher nur die kurzfristigen Effekte der Titanpartikel auf das umliegende Gewebe untersucht. Um längerfristige Folgen abzusehen, ist noch eine Langzeitstudie notwendig, die den Einfluss der Partikel auf bereits vorhandene Entzündungen und Osteolyse genauer betrachtet. Gezeigt haben die Forscher aber bereits, dass auch das Reinigen von Implantaten, obwohl notwendig, negative Auswirkungen auf den Verbleib im Kieferknochen haben kann.

Quelle: ZWP online/ nature.com

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